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Ethisches Forum

Das Berufliche Gymnasium St. Klara hat das Profil "Wirtschaft und Ethik", das wir im laufenden Unterricht nicht nur Profilfächern mit den Jugendlichen bearbeiten. Höhepunkt ist das jährlich stattfindende "Sozialethische Forum", zu dem wir Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, sozialen Einrichtungen oder Politik einladen, die mit unseren  Jugendlichen aktuelle Themen besprechen, bei denen Wirtschaft, Soziales und Ethik in Konflikt stehen. 

Adam Smith', der Begründer der ökonomischen Wissenschaft und des politischen Liberalismus, erfand das Bild von der "unsichtbaren Hand", dem Marktmechanismus, der alles regelt, damit es allen besser geht, wenn jeder Einzelne seinen eigenen Nutzen verfolgt.

"Nicht vom Wohlwollen des Metzgers, Brauers oder Bäckers erwarten wir unsere Mahlzeiten, sondern von deren Bedachtnahme auf ihr eigenes Interesse", schrieb Smith im "Wohlstand der Nationen". "Wir wenden uns nicht an ihre Menschenliebe, sondern an ihre Eigenliebe und sprechen ihnen nie von unseren eigenen Bedürfnissen, sondern von ihren Vorteilen." Die "unsichtbare Hand" des Markts ist es, die letztlich alle Einzelinteressen zusammenführt und das größtmögliche gemeinsame Wohl erzeugt.

Diese moralische Rechtfertigung einer Politik, die dem Markt freien Lauf lässt, ruft bis heute und heute besonders heftige Reaktionen hervor.

 

"Mache dich nicht abhängig von den Dingen, die du hast oder nicht hast. Fixiere dich nicht auf Wünsche, die dich unfrei machen. Entdecke deinen Reichtum in der Zuwendung zu Gott und den Menschen", sagt Franziskus. Sein Antwort auf die Frage, wie gehandelt werden soll.

 Die Gegenwart zeigt uns, dass Wirtschaft ohne ethisches Handeln in den Abgrund führt.

 

Themen der Veranstaltungen:

    • Schuljahr 2016/2017: Reichtum verpflichtet?!

    • Schuljahr 2015/2016: Sterbehilfe

    • Schuljahr 2014/2015: Zuwanderung

    • Schuljahr 2012/2013: Indien

    • Schuljahr 2010/2011: Erste Fair Trade Stadt Rottenburg in BW

    • Schuljahr 2009/2010: Lohnen sich erneuerbare Energien?

    • Schuljahr 2008/2009: Wirtschaft und Gerechtigkeit

    • Schuljahr 2007/2008: Standort Deutschland

Reichtum verpflichtet?!

Susanna Deichmann
Horst Haar

 

Unter diesem Motto fand das diesjährige Ethische Forum an unserer Schule St. Klara statt. Anlass war der angekündigte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, der von den Eingangsklassen und der Jahrgangsstufe im Unterricht behandelt wurde. Ihre Ergebnisse präsentierten sie am Abend in Form einer Ausstellung mit Plakaten sowie kleineren Vorträgen und Anspielungen. Als Ehrengäste erschienen Susanna Deichmann, stellvertretende Vorsitzende des christlichen Hilfswerks wortundtat, sowie Horst Haar, früherer Geschäftsführer der Diakonie Tübingen.

In ihrer Begrüßungsrede ging Frau Bauer-Geppert auf die ungerechte Verteilung von Vermögen in der Welt ein. So besitzen laut einer neuesten Oxfam Studie die acht reichsten Männer dieser Welt so viel wie die gesamte ärmere Hälfte der Menschheit. Angesichts dessen stellt sich die Frage, wie weit die Schere zwischen reich und arm auch hier in Deutschland weiter aufgeht.

Diese Frage beantwortete die Klasse E1 im Anschluss und erklärte dabei auch den Armutsbegriff.

Armut bei Alleinerziehenden tritt häufiger auf als bei verheirateten Paaren, so das Ergebnis der Klasse E2. In jeder fünften Familie trifft man auf eine alleinerziehende Mutter oder Vater, die häufig Hartz IV beziehen. Wenn die Unterhaltszahlung ausbleibt und nur einer schlecht bezahlten Arbeit nachgegangen wird, verschlechtert sich die Situation. Lösungen könnten eine Erhöhung des Kindergeldes oder eine besondere Steuerklasse für Alleinerziehende sein.

Das auch kinderreiche Familien von Armut betroffen sein können, stellte die Klasse E3 dar. So kann manche Klassenfahrt zur finanziellen Herausforderung werden. Die Frage, warum Entwicklungshilfe notwendig und wichtig ist, hatte die Klasse J1.1 seit geraumer Zeit beschäftigt. Hierbei ist die Hilfe zur Selbsthilfe ein wichtiger Aspekt. Der Kurs 1.2 präsentierte seine Ergebnisse zu Armut in den Ländern, die als wirklich arm gelten. Hunger und eine schlechte Lebensmittelversorgung sind ständige Begleiter und führend zu gravierenden Mangelerscheinungen. Wie Stiftungen und Klubs dem entgegenwirken können, präsentierte im Anschluss der Kurs 1.3. Sowohl deutschland- als auch weltweit finden sich zahlreiche Organisationen, die entweder durch finanzielle Mittel oder tatkräftige und ehrenamtliche Hilfe hilfebedürftige Menschen unterstützen. Weitere Informationen zu den Schülerbeiträgen bot die Ausstellung in der Pause.

Den zweiten Teil des Abends begann Horst Haar mit einem Kurzvortrag zum Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, der mit „vollem Magen anders als mit Hunger“ zu lesen sei. „Jeder Mensch hat mit seinen Gaben und Fähigkeiten zur Existenssicherung beizutragen. Es sei wichtig, nicht nur den Reichen sondern auch den Armen in der Verantwortung für sich selbst und die eigene Familie zu sehen. Dies könne z.B. bedeuten, morgens nicht im Bett liegen zu bleiben sondern seinen Kindern die Pausenbrote zu schmieren. Ein weiteres Problem sei laut Haar die Hoffnungsperspektive, wie und in welcher Geschwindigkeit man wieder aus der Armut kommt. „Als Reicher kann ich mit wenig Selbstbewusstsein überleben, aber als Armer nicht.“ Und wenn dieses fehle, bestehe die Gefahr einer Depression oder des Alkoholismus.

„Das Unternehmen muss dem Menschen dienen“ – unter diesem Leitbild präsentierte Susanna Deichmann die Arbeit der wortundtat Stiftung, die ihr Schwiegervater Dr. Heinz-Horst Deichmann 1977 gegründet hatte. Als Familienunternehmen sei es der Schuhhandelskette Deichmann wichtig, dass ein respektvoller Umgang mit allen Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten gelebt wird. Dazu gehören ein sicherer Arbeitsplatz und eine gute Bezahlung. Der christliche Glaube und gelebte Nächstenliebe seien Pfeiler der wortundtat Stiftung, die mit Partnerorganisationen zahlreiche Projekte u.a. in Tansania, Moldawien oder Indien unterstützt. Besonders am Herzen liege ihr persönlich die „Steinbruchschule“, in der zahlreiche Jungen und Mädchen eine Schulausbildung erhalten und kostenfrei leben. Viele dieser Kinder arbeiteten einst unter schlimmsten Arbeitsverhältnissen in Steinbrüchen. Dank der Ausbildung finden die Schulabgänger Arbeitsstellen, die es ihnen ermöglichen, ihre Angehörigen zu Hause zu unterstützen und eine eigene Familie zu gründen.

Als Fazit des diesjährigen Ethischen Forums ist festzuhalten: „Armut ist etwas sehr Subjektives, aber man darf es auch nicht verharmlosen. Weder der Arme noch der Reiche dürfen an die Wand gestellt werden, “ so Frau Bauer-Geppert am Endes des Abends.

                                                                                  

Hintergrundinformationen:

Horst Haar

Ist 66 Jahre alt, verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Er ist Religions-und Sozialpädagoge und war 25 Jahre Geschäftsführer des Diakonischen Werks Tübingen. Er arbeitete hauptamtlich 35 Jahre in der Ehe-Familien- und Lebensberatung und baute in Tübingen die Schuldenberatung e.V. auf.

Susanna Deichmann

Ihr Vater war Uhrmacher und Seelsorger in Köln, der die Kinder schon früh lehrte, den Blick auf Bedürftige zu lenken und zu helfen. Durch Heirat mit Heinrich Deichmann kam sie in das Familienunternehmen. Sie hat zwei erwachsene Kinder und engagiert sich als Stellvertretende Vorsitzende für die Stiftung wortundtat.

wortundtat

Die Wurzeln von wortundtat gehen auf eine Begegnung zwischen Dr. Heinz-Horst Deichmann und einem Leprakranken zurück. Der Krankheitsverlauf schockierte Deichmann so sehr, dass er fortan etwas ändern wollte: „Da kann man nur weglaufen oder helfen!“ Er entschied sich für letzteres und gründete daraufhin 1977 das christliche Hilfswerk, das heute über 200.000 Bedürftigen auf drei Kontinenten hilft. Seit seinem Tod wird die Hilfsorganisation von seinem Sohn Heinrich Deichmann und dessen Familie fortgeführt.

Getreu dem Motto „Gott liebt die Menschen. Wir zeigen es ihnen – in Wort und Tat!“ bringt die Stiftung einerseits praktische Hilfe und Wertschätzung zu den Menschen und bietet andererseits die Möglichkeit, auf freiwilliger Basis die Bibel näher kennenzulernen.

wortundtat unterstützt Hilfe zur Selbsthilfe und arbeitet eng mit örtlichen Partnern zusammen.

Weitere Information finden Sie auf:  www.wortundtat.de

 

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